#bpbr13: Blogger Relations im Kulturbereich

Kommunikationsexperte Mike Schnoor befasste sich auf seinem Blog schon mehrmals mit dem Thema „Blogger Relations“. Nun hat er zu einer Blogparade aufgerufen, um Meinungen, Erfahrungsberichte, verschiedene Sichtweisen und Gedanken zu „Blogger Relations“ zu sammeln. Ein Angebot, das ich sehr gerne annehmen und nützen möchte, um den Standpunkt des Universalmuseums Joanneum bzw. meine persönliche Meinung darzulegen.  

Der Zeitungsmarkt steckt nach wie vor in der Krise (auch wenn ich in österreichischen Medien schon längere Zeit nichts mehr dazu gelesen habe). Redaktionen werden kaputtgespart, zusammengelegt oder gar aufgelöst, Korrespondentenbüros müssen schließen – der (zu kleine?) Markt macht Probleme und der Wandel im Mediennutzungsverhalten tut sein Zusätzliches.

Selbstredend, dass sich Kommunikationsverantwortliche schon seit längerer Zeit dazu Gedanken machen müssen, wo die Reise hingeht – gerade im Kulturbereich. Feuilletons und Kulturredaktionen sind zumeist nicht nur im hinteren Feld der Zeitungen zu finden, sie werden auch dementsprechend behandelt: nachrangig. Da kann es schon passieren, dass der Umfang auf zwei Seiten reduziert wird und sich Literatur, bildende Kunst, Musik, Theater und Kinoprogramm (!)  den wenigen Platz teilen müssen. „Leider unterbesetzt!“, „Keine Zeit!“ – solche Dinge hört man in letzter Zeit häufig, wenn man zu Ausstellungsrundgängen oder Presseführungen einlädt. Dabei ist gerade für kulturelle Veranstaltungen die persönliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt besonders wichtig, und viele Ausstellungen erschließen sich nur selten auf anderem – etwa virtuellem – Weg.

Der Kampf um Aufmerksamkeit

Kunst und Kultur sind Randthemen. Für den Lokal-, Politik- und Wirtschaftsteil haben Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und kulturpolitische Themen selten Relevanz. Für kulturelle Institutionen haben Beiträge zu ihren Aktivitäten aber umso mehr Gewicht. Ausstellungsrezensionen oder Vorberichte haben maßgeblichen Einfluss darauf, ob die Projekte und Veranstaltungen wahrgenommen und besucht werden. Darüber hinaus gibt es viele Kulturinstitutionen, die aufgrund ihrer Historie nicht nur Ausstellungshäuser, sondern auch Forschungseinrichtungen sind, wie etwa das Universalmuseum Joanneum.  In der Rolle des „Davids“ hat man gegen die Goliaths (Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsstätten der Ludwig Boltzmann Gesellschaft) trotz spannender Themen oftmals das Nachsehen – da für die Redaktionen schlichtweg keine Zeit bleibt, sich allen Inhalten zu widmen.

Insofern tut man gut daran, Blogs in der Mediaplanung zu berücksichtigen. Sie sind eine zusätzliche Alternative, um die Aktivitäten einer Kulturinstitution ins Rampenlicht zu rücken. Da sich Blogs oftmals viel intensiver mit einem Randthema auseinandersetzen, erfreuen sie sich einer hohen Stammleserschaft, die genau zu diesem speziellen Randthema Informationen erhalten möchten. Wenn also ein an Kunst interessierter Blog etwas über eine Ausstellung schreibt, weiß man, dass die Infos genau an die richtige Zielgruppe geraten. Ein weiterer Vorteil liegt im Empfehlungsmarketing. Rezensionen und Berichte von Ausstellungen finden sich immer mehr durch Besucherinnen und Besucher eingestellt im Internet, besonders im Bereich Social Media. Und da man einem Freund bzw. einer Freundin meistens mehr vertraut als den Medien, geht man selber eher in den empfohlenen Kinofilm oder in die Ausstellung. (Siehe dazu auch die Ergebnisse einer Nielsen-Studie, die Anfang Oktober veröffentlicht wurde).

„Blogger Relations“ im Joanneum

Das Joanneum knüpfte  2011 erste Kontakte mit Personen, die im Internet über Kunst und Kultur schreiben. Unter anderem durfte ich so Bekanntschaft mit Tanja Neumann machen, die uns anlässlich der Eröffnung des Joanneumsviertels 2011 in Graz besuchte. Aus fachlicher Sicht – die Medienwissenschaftlerin ist ein Vollblutprofi im Umgang mit Social Media –  und auch darüber hinaus war das Gespräch mit ihr sehr anregend. Was mir dabei auffiel: Sie hat sich im Vorfeld sehr ausführlich über das Joanneum informiert und war gut vorbereitet. Ein Umstand, der bezogen auf Journalistinnen und Journalisten leider immer weniger anzutreffen ist.

Mit der im Oktober 2012 initiierten Francard-Aktion wollten wir Bloggerinnen und Blogger aktiv ansprechen und auf uns aufmerksam machen. Ende 2013 läuft die Aktion aus, einen Nachbericht dazu gibt es demnächst hier im Blog zu lesen. So viel sei vorweggenommen: Die Kampagne lieferte sowohl positive als auch negative Ergebnisse. In manchen Bereichen hätten wir uns mehr erhofft, in anderen Bereichen wiederum wurden unsere Erwartungen übertroffen.
Im Juli dieses Jahres haben wir gemeinsam mit Monika Meurer zu einem Arbeitskreistreffen geladen: Zusammen mit Bloggerinnen und Bloggern sowie mit Vertretern aus der Unternehmenskommunikation erarbeiteten wir ein Papier, das sich als guter Einstieg in das Thema eignet und Antworten auf die Fragen liefert, was sich Blogger von Unternehmen erwarten und umgekehrt. Die Ergebnisse gibt es auf www.mome.at und im Blog der The Coolinary Society zum Nachlesen.

Intern war das Arbeitstreffen zugleich eine willkommene Gelegenheit, das Bewusstsein für “Blogger Relations” zu heben. Mit Erfolg: Unsere wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen sowie die Museumsleiter nehmen Anliegen und Wünsche von Bloggerinnen und Bloggern genauso ernst wie Anfragen von Journalistinnen und Journalisten. Diese Win-Win-Situation spiegelt sich aktuell auch in einer Veranstaltung wider, die das Volkskundemuseum Graz gemeinsam mit Hannah Lafer und Viktoria Resch organisiert. Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung Dirndl, Jeans und Seidenstrumpf veranstaltet das Volkskundemuseum gemeinsam mit den Damen einen Flohmarkt mit Workshops für Kleidungsstücke, Accessoires und Beautyprodukte.

Die Ressourcenfrage und was das Joanneum leisten kann

Der Erfolg von Blogger Relations hängt letztendlich sicher auch von den zur Verfügung stehenden (zeitlichen) Ressourcen ab. Bei entsprechend intensiver Recherche hat man die Chance, sich mit wichtigen Multiplikatoren zu vernetzen. Ist eine Bloggerin oder ein Blogger an einem Thema interessiert und schreibt einen Beitrag, hat man in der Regel die Gewissheit, dass dabei ein gut recherchierter, umfangreicher Artikel entsteht, der von der relevanten Zielgruppe wahrgenommen wird.  Doch womöglich erreicht man damit nicht nur die kulturaffine Leserschaft. Die Beiträge sind in der Regel für lange Zeit im Netz zu finden und werden vielleicht auch von Personen gelesen, die bei der Onlinerecherche zufällig auf diese Informationen stoßen,  auch wenn sie diese nicht unmittelbar im Museum gesucht hätten. Wie zum Beispiel Journalisten, die Blogs gerne als Informationsquelle heranziehen, wie eine 2012 erhobene Online-Umfrage von Jost Broichmann zeigt.

Wie im Umgang mit Journalistinnen und Journalisten gilt für mich und meine Kolleginnen und Kollegen im Joanneum auch in der Kommunikation mit Bloggerinnen und Bloggern die Devise: Höflich, hohe Servicebereitschaft, Hilfsbereitschaft und Kommunikation auf Augenhöhe. Die zur Verfügung gestellten Unterlagen müssen professionell aufbereitet sein, die individuellen Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden – sowohl auf inhaltlicher als auch auf technischer Ebene.

Insbesondere bei den technischen Hürden scheitert es oftmals an den finanziellen Ressourcen. Im Joanneum beispielsweise ist es aktuell – auch aus baulichen Gründen – nicht möglich, in allen unseren fünfzehn Museen das für Blogger-Events notwendige W-LAN anzubieten. Auch verfügen wir nicht über einen derart professionellen Webservice für Blogger wie etwa Philips. Wenngleich wir Events wie das o.a. Arbeitskreistreffen in der Budgetplanung berücksichtigen und die Reisekosten von Bloggerinnen und Bloggern bei entsprechendem Wunsch übernehmen, haben wir Sponsored Posts bislang nicht ins Auge gefasst. Sehr wohl aber haben wir Gastbeiträge bei uns im Blog – aktuell läuft zum Beispiel eine Kooperation, in deren Rahmen Redakteurin Sabine Jammernegg vom Referat Kommunikation des Landes Steiermark Ausübende verschiedenster Museumsberufe bzw. nicht alltäglicher Berufe vor den Vorhang holt.

Darüber hinaus ist das Universalmuseum Joanneum aufgrund seiner inhaltlichen Bandbreite ein idealer Wissensspeicher für verschiedenste Bereiche. Von der Archäologie über die Naturwissenschaft und die Volkskunde bis hin zu kulturhistorischen Themenfeldern widmet sich unser Haus den unterschiedlichsten Fragestellungen, die im Sinne eines “Open Source”-Gedankens auch weitergegeben werden. Diese Quellen wollen natürlich auch wir in der Kommunikation im Allgemeinen, aber auch im Blogger Relations im Speziellen zukünftig stärker nutzen und zur Verfügung stellen.

Die Frage, ob wir uns im Joanneum also zukünftig noch intensiver mit dem Thema „Blogger Relations“ auseinandersetzen, stellt sich letztendlich nicht. Wie wir das aber machen, darüber werden wir auch auf www.museumsblog.at laufend berichten.

Weitere interessante Beiträge zum Thema gibt es unter folgenden Links:

Blogger Relations: Eine Anleitung für Unternehmen
Blogger Relations: 25 typische Fehler von Unternehmen
Blogger Relations – It’s all about the money!
Do’s und Don’ts der Blogger-Relations: Es braucht ein Mindestmaß an Anstand

Text: Christoph Pelzl, Leitung Presse und digitale Kommunikation Universalmuseum Joanneum

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